20.12.2010: Die Geschichte von Bonny

 

 

links: Bonny im Tierheim, rechts: beim Spaziergang - eine Pause im Wald

 

 

Hallo liebe Leser, vor Kurzem hat mir mein Frauchen von der Internetseite „Schnauzer in Not“ erzählt. Mich hat total begeistert,

dass dort armen und heimatlosen Schnauzern geholfen wird. Da mein Frauchen immer sagt: „Aus dir guckt ein Schnauzer raus“,

möchte ich mit meiner Geschichte allen traurigen Schnauzern Mut machen, nicht aufzugeben, auch wenn alles noch so hoffnungslos

erscheint. Denn: Das Leben kann sooooo schön sein…. Aber lest selbst:

 

An meine jungen Jahre kann ich mich gar nicht mehr so genau erinnern. Das ist schon zu lange her. Meine Erinnerung setzt erst

wieder richtig im November 2005 ein. Damals wurde ich von meinem ursprünglichen Aufenthaltsort hinter ein Gitter gebracht, das

dem, wie ich es bisher kannte, sehr ähnlich war. Der Unterschied war lediglich, dass dort sehr viele Hunde waren, die alle laut bellten

und mir Angst machten. Auch durfte ich dort mindestens einmal am Tag nach draußen und die Menschen redeten freundlich mit mir.

Trotzdem war ich sehr, sehr traurig. Ich hatte wahnsinnige Angst. Ich wollte mich am liebsten unsichtbar machen und niemandem

begegnen. Bis im Januar 2006 eine Frau ins Zwingerhaus kam. Sie stand vor meinem Gitter und sagte: „So, Du bist also die Bonny…“

 

Woher kennt die meinen Namen? Bald darauf ist sie mit mir raus gegangen. Irgendwie habe ich gespürt, dass die es gut mit mir

meinen könnte. Ich habe nicht einmal geschnappt, als sie mich angefasst hat. Ab diesem Zeitpunkt kam diese Frau regelmäßig um

mich zu besuchen und mit mir spazieren zu gehen. Wenn ich sie gesehen habe, bin ich jedes Mal wie ein Gummiball in die Luft

gesprungen. Das erste Mal in meinem Leben spürte ich so etwas wie Freude.

 

Bald schon kam der Tag, an dem meine neue Freundin zu mir sagte: Heute nehme ich dich mit zu mir nach Hause. Was ein „nach

Hause“ wohl ist? Ich wusste es nicht. Hatte aber in der ersten Nacht im „nach Hause“ solche Angst, dass ich überall hingepieselt

habe. Und ich bekam plötzlich wahnsinnige Angst: Was passiert hier mit mir? Ist die Frau immer so freundlich zu mir? Was ist, wenn

ich etwas falsch mache? Meine Angst, vielleicht wieder weg zu müssen oder von jemand geschlagen zu werden, war so stark, dass

ich bei allen Menschen, die meiner neuen Freundin und mir begegnet sind, die Zähne gefletscht und nach ihnen geschnappt habe.

Einen kleinen Menschen habe ich sogar so erwischt, dass das Bein geblutet hat. Ich bin total erschrocken. Die Reaktion meiner

Freundin sagte mir ganz deutlich, dass ich zu weit gegangen war und ich hörte, wie viele Leute sagten: „Gib den Hund wieder ab,

das hat doch keinen Sinn!“

 

Aber meine Freundin meinte, dass sie so schnell nicht aufgibt, sagte, ich könne ja gar nichts dafür und hat mir Mut gemacht. Die

verstand mich wenigstens. Ich glaube sie hat als einzige geahnt, dass die Narben auf meinem Körper von Schlägen kamen, gegen

die ich mich nie wehren konnte. Sie wusste auch, dass genauso viele Narben in meiner kleinen Seele wohnten und dass ich viel Zeit

brauchen würde, um mich von dem Erlebten zu erholen und alles kennen zu lernen, was mir hinter Gittern verwehrt blieb.

 

Mit viel Geduld hat mein Frauchen mir die Welt gezeigt und so lange auf Besuch verzichtet, bis ich die Nähe von fremden Menschen

ertragen konnte. Mit der Zeit habe ich auch zu einzelnen Freunden meines Frauchens Vertrauen gefasst und sie durften mich kurz

streicheln – immer unter Beobachtung meines Frauchens, die eingriff, wenn sie merkte, dass es mir zu viel wurde.

 

 

 

links: Bonny wieder beim Spaziergang und rechts: Urlaub am Bodensee

 

Wir zwei haben, viel miteinander unternommen, sind lange spazieren gegangen, ich durfte mausen und einfach sein, wie ich war. Das

war toll. Denn so konnte ich entspannen und nach und nach lernen, dass das Leben schöne Seiten hat und es auch nette, freundliche

Menschen gibt, deren Hände nicht weh tun – im Gegenteil: Hände können richtig sanft und wohltuend sein. Ich wurde in der

Gegenwart meines Frauchens immer mutiger, traute mir immer mehr zu. 

 

Doch manchmal kam die große Angst zurück, dass mein Frauchen mich doch wieder verlassen könnte. Dann wurde ich scheinträchtig

oder bekam starke Koliken. Dass ich manchmal alleine war, konnte mein Frauchen leider nicht vermeiden, da sie ja für uns zwei Geld

verdienen musste.

 

Dann hatte Frauchen eine sehr mutige Idee: Sie wechselte die Arbeitsstelle und nahm mich einfach mit (wir hatten einen sehr netten

Chef, der das erlaubte). Ich glaube manchmal hatte mein Frauchen schon Angst, dass ich wieder „rückfällig“ werde und schnappen

könnte… Aber ich habe es geschafft!!!

 

Ich habe seitdem nicht mehr geschnappt, wurde nicht mehr scheinträchtig und die Koliken kommen nur noch ganz selten. Nun kann

ich mein Leben richtig genießen. Es ist so toll etwas mit Menschen zu erleben, denen ich vertraue und die mich lieben. An dieses

Happy End hätte ich nicht mehr geglaubt und manchmal denke ich, dass ich träume. Aber es ist wahr und ich hoffe, dass dieser

Traum von einem eigenen Zuhause für viele armen Notfelle zur Wirklichkeit wird… Ihr könnt es schaffen, denn ich glaube fest daran,

dass es noch mehr liebe Menschen gibt, die den Mut haben, „schwierige“ und auf den ersten Blick vielleicht nicht gerade attraktive

Hunde bei sich aufzunehmen.

                         

Da bin ich mir ganz sicher: Denn mein Frauchen hat mir verraten, dass es gaaanz viel Freude macht, wenn man miterleben darf, wie

eine arme Hundeseele heil wird wie toll es ist, wenn man gemeinsam durch den (All)Tag geht.

 

Herzlichst,

Eure Bonny

 

(Aufgeschrieben von Ilona M.)

 

Fotos mit freundlicher Genehmigung von Ilona M., Freudenstadt-Musbach